Die Orgel der Frauenkirche

Seit dem Frühjahr 2019 besitzt die Schwabmünchner Frauenkirche eine neue Orgel. Das Instrument stammt aus der Werkstatt des Allgäuer Orgelbauers Martin Gegenbauer (Leutkirch) und wurde ursprünglich Ende der 1990er Jahre für einen Privatkunden gebaut.

Der Orgelbauer Gunnar Schmid baute die gebrauchte Orgel aus, überarbeitete sie und stellte sie in einem neu gestalteten Gehäuse in der Frauenkirche auf. Dabei wurde das Instrument an die räumlichen Gegebenheiten der Kirche angepasst und klanglich neu eingerichtet.

Klangkonzept und Aufbau

Die Orgel ist ein kompaktes, vielseitiges Instrument mit zwei Manualen und Pedal. Die Disposition verbindet klassische Prinzipal- und Flötenstimmen mit charakteristischen Soloregistren wie einem Cromorne (Krummhorn) sowie einer Sesquialtera.

Besonderer Wert wurde auf eine klare und tragfähige Klangentwicklung im Kirchenraum gelegt. Die mechanische Spiel- und Registertraktur sowie die Schleifladenbauweise entsprechen der traditionellen Bauweise des Orgelhandwerks und ermöglichen eine direkte und präzise Spielweise.

Disposition der Orgel

Untermanual C – g“‘

  1. Holzflöte 8’ (Kiefer, konisch, C-H gedeckt, Rest offen)
  2. Prinzipal 4’ (Zinn)
  3. Flachflöte 2’ (Zinn)
  4. Mixtur 1 1/3′ (Zinn)
  5. Krummhorn (Cromorne) 8′ (ursprgl. Schallbecher aus Kupfer, im Sommer 2019 mit neuen Bechern zu einem Cromorne umgebaut)

Pedal C-f‘

  1. Subbass 16’ (ab c0 Trans-mission aus Holzflöte 8′)

Obermanual C – g“‘

  1. Gedeckt 8’ (Kiefer)
  2. Rohrflöte 4’ (Zinn)
  3. Sesquialtera 2 2/3 + 1 3/5′ (Zinn)
  4. Prinzipal 2′ (Zinn)
  5. Quint 1 1/3′ (Zinn)
  6. Tremulant

Spielanlage und Technik

  1. Mechanische Spiel- und Registertraktur
  2. Schleifladen
  3. Normalkoppeln: I–P, II–P, II–I
  4. Tremulant

Der sorgfältig gearbeitete Spielschrank ist mit Nussbaum furniert. Für die Aufstellung in der Frauenkirche wurde zusätzlich ein neues Gehäuse in Gitteroptik angefertigt.

Den Ausbau beim Vorbesitzer sowie den Aufbau in der Frauenkirche übernahm der Orgelbauer Gunnar Schmid.

Aufstellung der Orgel in der Frauenkirche

Die Orgel befindet sich unter der Westempore. Bewusst wurde auf eine mittige Aufstellung verzichtet, sodass Chöre und Instrumentalensembles ausreichend Platz zum Musizieren neben der Orgel haben. Dadurch ist auch ein gemeinsames Musizieren mit der Orgel in idealer Weise möglich.

Die frühere Orgel der Frauenkirche

Die vorherige Orgel der Frauenkirche wurde um 1975 von Adolf Sandtner gebaut. Sie befand sich auf einer seitlichen Empore über dem Altarraum, einem akustisch ungünstigen Standort. Zudem war der Platz dort sehr beengt, sodass ein gemeinsames Musizieren von Chor und Instrumentalensembles mit der Orgel kaum möglich war. Auch klanglich konnte sich das Instrument von dieser Position aus nicht optimal im Kirchenraum entfalten.

Da im Zuge der Kirchensanierung ein aufwendiger Ausbau, eine Einlagerung, ein Wiedereinbau sowie eine Generalreinigung notwendig geworden wären, entschied sich die Gemeinde schließlich für den Verkauf der Sandtner-Orgel. Das Instrument wurde an eine Gemeinde in Bayreuth abgegeben.