Die große Eule-Orgel in St. Michael Schwabmünchen (1999)
Die große Orgel der Pfarrkirche St. Michael wurde 1999 von der Orgelbauwerkstatt Hermann Eule (Bautzen) errichtet. Ausgangspunkt der Planung war die Idee eines großen, ausgewogenen Orgelwerks, das sich klanglich an der sächsisch-mitteldeutschen Orgeltradition des 18. und 19. Jahrhunderts orientiert.
Besonders die Klangvorstellungen der Orgeln Gottfried Silbermanns sowie der späteren Orgelbauer Friedrich Ladegast und Hermann Eule dienten als Grundlage für die Mensurierung und Klanggestaltung. Gleichzeitig bestehen in dieser Tradition auch Berührungspunkte zum französischen Orgelbau, sodass einzelne klangliche Elemente dieser Schule bewusst integriert wurden.
Klangkonzept und Stil
Ziel war es, ein Instrument zu schaffen, das stilistische Homogenität besitzt und nicht lediglich unterschiedliche Klangtraditionen nebeneinanderstellt. Statt eines Konglomerats verschiedener Stilelemente sollte eine organische Verbindung klassischer und romantischer Klangfarben entstehen.
Die einzelnen Werke der Orgel stehen daher in einer engen klanglichen Beziehung zueinander. Bereits in den ersten beiden Manualwerken, deren Grundcharakter noch stark vom Orgelbau des 18. Jahrhunderts geprägt ist, finden sich Stimmen, die in die romantische Klangwelt des 19. Jahrhunderts überleiten.
Das dritte Manualwerk ist stärker romantisch konzipiert und integriert zusätzlich einen französisch mensurierten Zungenchor.
Das vierte Manual bildet schließlich das Solowerk der Orgel. Ähnlich wie im klassischen französischen Orgelbau ist es besonders für das Spiel ausgeprägter melodischer Solostimmen vorgesehen.

Hier finden Sie ein Hörbeispiel
Disposition der Orgel
I. Clavier: Hauptwerk C – g´´´
- Principal 16´
- Octave 8´
- Hohlflöte 8´
- Viola da Gamba 8´
- Octave 4´
- Blockflöte 4´
- Quinte 2 2/3´
- Octave 2´
- Mixtur maior – 5fach 2 2/3´
- Mixtur minor – 4fach 1 1/3´
- Fagott 16´
- Trompete 8´
II. Clavier: Positiv schwellbar C – g´´´
- Salicional 16´
- Principal 8´
- Gedackt 8´
- Salicional 8´
- Unda maris (ab co) 8´
- Principal 4´
- Rohrflöte 4´
- Nazard 2 2/3´
- Flachflöte 2´
- Quinte 1 1/3´
- Sesquialtera 2fach 2 2/3´ + 1 3/5´
- Mixtur 5fach 2´
- Clarinette 8´
- Vox humana (Option) 8´
- Tremulant Frequenz stufenlos regelbar
III. Clavier: Schwellwerk C – g´´´
- Lieblich Gedackt 16´
- Geigenprincipal 8´
- Bourdon 8´
- Doppelflöte 8´
- Aeoline 8´
- Voix céleste 8´
- Traversflöte 4´
- Fugara 4´
- Piccolo 2´
- Progressio harmonica 3-5fach 2 2/3´
- Basson 16´
- Basson-Hautbois 8´
- Trompette harmonique 8´
- Clairon harmonique 4´
- Tremulant Frequenz stufenlos regelbar
IV. Clavier: Solowerk C – g´´´
- Flûte harmonique 8´
- Flûte octaviante 4´
- Cornet 5fach (ab fo) 8´
- Alphorn 8´
- Glockenspiel co-f´´ schwellbar (Option)
Pedal C – f´
- Grand Bourdon 32´
- Principal16´
- Violonbaß 16´
- Subbaß 16´
- Bourdon doux 16´
- Nazard 10 2/3´
- Octave 8´
- Cello 8´
- Bourdon doux 8´
- Quintbaß 5 1/3´
- Tenoroctave 4´
- Posaune 16´
- Trompete 8´
- Trompete 4´
Koppeln
II – I, III – I, III-I Sub, III-I super, IV – I, III – II, IV – II,
I – P, II – P, III – P, IV – P, III 4´- P
als Züge und Tritte in Wechselwirkung
Spieltraktur mechanisch (Midi in III/out I), Registertraktur als Doppeltraktur (mechanisch und elektrisch mit elektronischer Setzerkombination, 1664 Kombinationen), Sequenzer vorwärts und rückwärts, separate Setzerkombination für Registranten.
Grundstimmen, Pleno, Tutti, Zungen ab, Crescendo an.
1 Schwellertritt und Schwellerzug für Clavier II,
1 Schwellertritt und Schwellerzug für Clavier III,
1 Schwellerzug für Glockenspiel (Option)
1 Crescendowalze
Radialpedal dso / ds´
Das Kubak-Orgelpositiv (1983)
Neben der großen Eule-Orgel besitzt die Kirche auch ein Orgelpositiv, das 1983 vom Augsburger Orgelbauer Rudolf Kubak gebaut wurde.
Das Positiv verfügt über vier Register:
- Gedackt 8′
- Flöte 4′
- Principal 2′
- Quinte 1 1/3′
Restaurierung und heutige Nutzung
Im Jahr 2021 wurde das Instrument von Orgelbauer Gunnar Schmid gereinigt, überholt und neu intoniert.
Während der Kirchensanierung wurde das Positiv auf der Westempore aufgestellt und dient seither als liturgisches Begleitinstrument, bis die große Eule-Orgel nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder vollständig genutzt werden kann.


